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Interview mit Surdham Göb im Balance Resort Ifenblick

Interview mit Surdham Göb

Surdham, lohnt es sich, ein veganes Angebot auch in der Hotellerie zu schaffen?

Ich finde, dass es sich mehr als lohnt, ein veganes Angebot in der Hotellerie zu schaffen. Die Zahl der Veganer nimmt beständig zu und neben ihnen gibt es noch die Flexitarier, Allergiker, Bewusstesser und Gesundheitsorientierte. Mit einem veganen Angebot sind 90 % dieser "Spezialisten" bedient und damit auch zufrieden. Und dies ist ja der Grundsatz der Gastronomie: Seine Gäste und Kunden zu bedienen und zufrieden zu stellen.

Um ein erstklassiges Angebot zu schaffen, müssen natürlich in erster Instanz die Köche und das Servicepersonal geschult und mit den Themen der veganen Lebensweise vertraut gemacht werden. Denn es gibt viele Dinge, die den meisten nicht bewusst sind, wie versteckte tierische Fette und Zutaten in Getränken, in Convenience-Produkten und in den durch die Industrie hergestellten "Nahrungsmitteln". Das vegane Angebot schafft Hintergrundwissen, das den normal ausgebildeten Koch bereichert, da er seine Zutaten dann bewusst und wissentlich wählen kann und bei Nachfragen von Gästen nicht vor den Kopf gestoßen ist. Das macht das Kochen, den Service und das Bedienen leicht, einfach und vor allem kundenfreundlich.

Ist vegane Küche teurer?

Vegane Küche kann wie jede Küche teuer oder auch günstig zubereitet werden. Intelligent eingekauft und clever zubereitet, wirkt sich vegane Küche sehr positiv auf den Einkauf aus und wird auch durch den Verzicht auf Fleisch eher günstiger - auch im Bio Segment. Eine gute, klare, bunte und schmackhafte vegane Küche ist meiner Erfahrung nach günstiger als konventionelle Gerichte mit Fisch und Fleisch. Das gilt allerdings nur, wenn man frisch kocht und nicht auf Convenience-Produkte zurückgreift. Aber vegan und Convenience passen meiner Meinung nach ohnehin nicht zusammen.

Was ist Ihr persönlicher Antrieb vegan zu leben?

Ich lebe seit circa 25 Jahren vegan. Das ist eine lange Zeit und meine Motivationen sind sehr vielseitig. Auf mich bezogen gesehen, tut es mir einfach gut. Mein Körper ist sauber, gesund, kräftig und ausgeglichen. Aus professioneller Sicht ist die Küche einfach und schnell zu reinigen, vom Fettabscheider, zur Abluft, ganz abgesehen vom Boden, den Fliesen und den Töpfen. Gemüse macht weniger und leichter zu reinigenden Schmutz. Ganz im Gegensatz zum Fleisch.

Mit dem Blick auf unsere gesamte Welt, ist es ökologisch. Vegane Küche verbraucht viel weniger Wasser, verschmutzt Böden und Landschaft weniger, reduziert den CO2-Austausch und Emissionen jeglicher Art. Der Weg vom Gemüse zum Menschen ist der direkte. Erst Gemüse, Obst und Getreide anzubauen, es dann an das Tier zu verfüttern, um dann schlussendlich das Tier zu essen, ist meiner Meinung nach nicht nur umständlich, sondern auch grausam und blutig.

Glauben Sie, dass in Restaurants und Hotels ein Angebot, bei dem jeder Gast die Ernährungsform wahrnehmen kann, die er gern möchte, funktioniert? Sind Veganer tolerant genug, um ein solches Angebot überhaupt genießen zu können oder wird ein rein veganes Konzept bevorzugt?

Lustigerweise sind die „Allesesser“ viel kritischer mit Veganern als Veganer mit Fleischessern. Kaum isst man vegan, wird man von den Tischgästen in eine Diskussion darüber eingebunden … dabei wollte man doch nur etwas anderes Essen. Ich habe aus diesem Grund oft eine Allergie vorgetäuscht. So bekommt man Mitgefühl und kann sich das lange Gespräch sparen. Ich persönlich kenne viele tolerante Veganer. Auch ich möchte niemandem das Fleisch wegnehmen, wenn er es essen will. Ich freue mich aber über jeden, der sein Dasein auf dieser Welt hinterfragt und sich genau überlegt, was er tut und verantwortlich handelt. Natürlich geht das nur individuell und kann nicht verallgemeinert werden.

Das vegane Angebot wächst, die Restaurants und ihre Besitzer wissen immer mehr über vegane Ernährung und das öffentliche Interesse ist da. Die Menschen wollen grünen Strom, fahren sparsamere Autos, isolieren ihre Häuser.
Ich denke, jeder auf dieser Welt will etwas Gutes tun, zumindest aus seiner persönlichen Sichtweise, so wie er sich und seine Umwelt wahrnimmt. Ich habe schon viel Grausames gesehen, aber sehr selten stand die Intention dahinter, grausam zu sein. Von daher ist es schön, alles zu begleiten und zu unterstützen was in Richtung friedliche und saubere Welt geht.

Vegan ist ein Schritt in diese Richtung. Und auch, wenn am Anfang eine große Strenge und Konsequenz benötigt wird. Das ist dann einfach so. Wenn man etwas ändern will, muss man alte Gewohnheiten hinter sich lassen und sich geistig und körperlich einlassen.

Wenn der Veganer ein paar Jahre auf dem Buckel hat, dann ist er einfach friedlich, freudig und dankbar, das Leben genießen zu können. Gemüse macht einfach glücklich!

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